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Rudy Horn

Artist

 

 

Artikel aus unserem Stadtteilmagazin Ausgabe 14, Juli 2019

 

Was man mit Tassen alles anstellen kann!

Es wird von vorneherein vom Verfasser dieser Zeilen darauf hingewiesen, dass einige Darstellungen im folgenden Text nicht zur Nachahmung empfohlen werden. Der Bürgerverein lehnt ausdrücklich jeden Haftungsanspruch ab!

Man fahre auf einem Einrad, bemühe sich, mit einem Fuß das Rad zu stabilisieren, mit dem freien Fuß werfe man nacheinander zuerst eine Untertasse in die Höhe und fange sie mit dem Kopf auf, daraufhin – klar – folgt die Tasse. Dies wiederhole man noch sechsmal und vergesse nicht, in die letzte Tasse auch noch einen Kaffeelöffel hinein zu bugsieren.

Es gab nur einen Artisten, der dies vollbrachte, und das war Rudy Horn. Es versteht sich von selbst, dass Rudy ein Leonharder war. Ich nehme das gleich zurück und gebe zu, dass er die ersten Jahre seiner Kindheit in Gostenhof verbrachte.

Rudy Horn verstarb am 12. Oktober 2018. Geboren wurde er am 14. Februar 1933. Nach dem Krieg lebte er mit seiner Familie in der Hermannstraße. Wir wollen hier an ihn und seine Familie erinnern.

Für Rudy Horn gilt der alte Spruch, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Rudy Horn stammt aus einer alteingesessenen Schweinauer Artistenfamilie, der Familie Schäfer. Schweinau war so in etwa das Las Vegas Nürnbergs mit vielen Gaststätten und auch noch freien Flächen.

In der Vorderen Marktstraße war „Schäfers Grosse Freilicht Wanderschau“ beheimatet. „Freilicht“, weil sich Schäfer kein Zirkuszelt leisten konnte: Zwei Wohnwagen, eine Zugmaschine und eine Bühne nannte der Direktor Benedikt Schäfer sein Eigen. Geboten wurden den Schweinauern für 20 Pfennige Trapezkünste, Balanceakte, Schleuderbrettnummern.

Die Kinder Benedikt Schäfers wurden auch gefeierte Artisten, aber den groflen Erfolg konnte nur Rudy Horn, der Sohn Christine Schäfers und Rupert Horns, erlangen. Der Großvater assistierte zunächst dem Enkel, auch einige der Leonharder Freunde durften ihm mal die eine oder andere Tasse zuwerfen. Den Tassentrick – bis zu zehn und alle auf den Kopf – beherrschte Rudy Horn schon bald nach dem Krieg, aber halt ohne Einrad. Das kam nach einem zweijährigen Training hinzu. „Rudy Horn begeisterte die Dänen im Kopenhagener Tivoli ebenso wie die Besucher des Lido in Paris. Er trat in Beirut auf und war in Johannesburg engagiert. In Las Vegas stand er mit Frank Sinatra auf der Bühne, die englische Königin Elizabeth ließ ihm huldvolle Anerkennung zuteil werden, in Mailand rief ihm Meistertenor Benjamino Gigli ein begeistertes Bravo zu.“ (Nürnberger Südwestanzeiger 26. Mai 1983).

Und 1973 wurde ihm die höchste Auszeichnung für Jongleure verliehen, die Rastelli-Trophäe.

Ich konnte von seinen Leonhard/Schweinauer Freunden erfahren, dass Rudy Horn, der zuletzt in Oberbayern lebte, immer den Kontakt zu ihnen aufrechterhalten hat und auch zu Zeiten seines größten Ruhms nicht überheblich geworden ist. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass in seinem Metier neben einem hohen Maß an Begabung auch sehr viel Arbeit von Nöten war.

(Klaus Thaler)